Durchsetzungsinitiative 2016

Durchsetzungsinitiative 2016

Am 28. Februar 2016 hat die Schweizer Bevölkerung über die eidgenössische Volksinitiative „Zur Durchsetzung der Ausschaffung krimineller Ausländer (Durchsetzungsinitiative)“ abgestimmt. Wochenlang dominierte das Thema die Berichterstattung der Schweizer Medienlandschaft. Sowohl im Print- und Onlinebereich, als auch auf dem Social Media-Kanal Twitter wurde vorab hitzig über die Initiative und die möglichen Folgen der Abstimmung diskutiert. ARGUS der Presse hat den Diskurs genauer unter die Lupe genommen und diese Kommunikationskanäle miteinander verglichen. Die Medienanalyse zeigt, welche Worte in Zusammenhang mit der Durchsetzungsinitiative am häufigsten genannt wurden, wie sich die Berichterstattung im Zeitverlauf entwickelte, mit welcher Intensität in welchen Kantonen berichtet wurde und welche Influencer im Diskurs ausgemacht werden konnten.


 

Während knapp vier Wochen (1. – 22. Februar 2016) untersuchte ARGUS der Presse die gesamte kanalübergreifende Berichterstattung zur Durchsetzungsinitiative. Ob im gedruckten Medium, im Onlinebereich oder auf Twitter; eines steht fest: die Initiative vom 28. Februar erhitzte die Gemüter. Doch worüber diskutierten Medien, Journalisten und Privatpersonen? Die folgenden Infografiken geben einen Einblick in den Diskurs zur Abstimmung und zeigen auf, welche Worte in Zusammenhang mit der Durchsetzungsinitiative am häufigsten fielen, wie sich die Berichterstattung im Zeitverlauf entwickelte, welche Influencer tonangebend waren und wie intensiv in welchen Kantonen berichtet wurde.

 

 

Sowohl in Print-/Onlinebeiträgen, als auch in Tweets fiel die abkürzende Bezeichnung der Abstimmungsvorlage – die Durchsetzungsinitiative bzw. dsi – am stärksten ins Gewicht.

Während im Print- und Onlinediskurs generische Begriffe wie Schweiz, Ausländer und SVP als am meisten verwendete Wörter folgten, brachte der auf Twitter am zweithäufigsten verwendete Begriff dsinein eine eindeutige Wertung mit sich. Der Umstand, dass offenbar viele Stimmberechtigte der Abstimmung noch unschlüssig gegenüber standen, wurde besonders dadurch deutlich, dass die Ausdrücke Befürworter/Annahme und Gegner in der abgebildeten Wordcloud eine ähnliche Grösse und Verteilung aufwiesen.

Die übrigen in der Grafik gezeigten Wörter bildeten nicht nur in Print/Online-Beiträgen, sondern auch in Tweets die grundlegenden Pfeiler der bevorstehenden Wahl ab: Ausschaffung, Abstimmung, Kriminelle, Gesetz, Stimmen.

Darüber hinaus liess sich die eigene Dynamik eines Social Media-Kanals wie Twitter ablesen: Neben generischen Wörtern schaffte es ein viral geteiltes YouTube-Video mit dem Titel «NEIN zur Durchsetzungsinitiative» und der inhaltlich drohenden Ausschaffung der «Beschützer von Uster» in den Diskurs.

 

 

Die obenstehende Grafik zeigt den Verlauf aller Print-/Online-Beiträge und Tweets, die vom 1. bis zum 22. Februar 2016 zur Durchsetzungsinitiative erschienen sind. Insgesamt flossen 4'938 Print-/Online-Beiträge und rund 24'000 Tweets in die Analyse ein.

Generell ist festzuhalten, dass die Berichterstattung im Zeitverlauf bis auf ein paar wenige Ausnahmen (2., 3. und 7. Februar) über alle Kanäle signifikant anstieg. Gleichzeitig waren jedoch auch eindeutige Spitzen (4., 11., 17., 19. und 22. Februar 2016) zu erkennen. Auf letztere soll im Folgenden kurz eingegangen werden:

Der erste zu verzeichnende Anstieg der Beitragsanzahl fand am 4. Februar im Print-/Onlinebereich statt. Dieser liess sich auf die in der Medienlandschaft aufgegriffene Kritik des emeritierten Strafrechtsprofessors und SP-Politikers Martin Killias zurückführen, der die Debatte als «abgehoben und in falschen Bahnen verlaufend» bezeichnete. Falls die Initiative angenommen werden würde, sei dies laut Killias unter anderem der Fehler seiner eigenen Partei sowie der Grünen, die 2010 beide mitgeholfen hätten, einen ausgewogenen Gegenvorschlag zur Ausschaffungsinitiative zu versenken.

Am 11. Februar 2016 sorgte auf dem Social Media-Kanal Twitter der Artikel des Tages-Anzeigers «Eine wirkliche Gefahr für die Schweiz» von Constantin Seibt für einen wahren Retweet-Hagel und damit einen Anstieg der Gesamtzahl an Tweets. Der Redaktor liess in seinem Artikel verlauten: „Die Durchsetzungsinitiative ist, vielleicht zum ersten Mal in unserer Lebenszeit, eine wirkliche Gefahr für das Land. Sie greift die Schweiz, wie wir sie kannten, am Fundament an. Und zwar dreifach.” Laut Tagesanzeiger war dies der am meisten geteilte Artikel des Tages.

Etwa eine Woche später, am 17. Februar 2016, führten sodann die Stimmbeteiligung sowie die Ergebnisse der zweiten SRG-Umfrage zu einem Anstieg der Print-/Onlinebeiträge und Tweets. 

Und auch am 19. Februar wurde ein Peak auf allen Kanälen verzeichnet. Während in den deutschsprachigen Print- und Onlinemedien oft über einen «Run auf den Schweizer Pass» kurz vor der Abstimmung berichtet wurde, sorgte im französischsprachigen Raum der Schweiz vor allem der Brief des SVP-Politikers Freysinger an Hollande, in welchem er dem Staatspräsidenten von Frankreich «Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Schweiz» vorwarf, für einen Anstieg an Beiträgen. In der Schweiz lebende Franzosen wurden dabei per Mail angeregt, die Durchsetzungsinitiative abzulehnen. Auf Twitter hingegen waren es die zweite SRF-Arena zur DSI, sowie die vom Newsportal watson veröffentlichte Tastatur für den rechtskonservativen Schweizer Wutbürger, die einen Anstieg an Tweets auslösten.

Der jüngste Anstieg vom Montag, 22. Februar 2016 bezog sich auf den Bereich Print-/Online-Beiträge. Eine von privaten Geldgebern finanzierte Werbeschaltung am Zürcher Hauptbahnhof, die ein verfremdetes Schweizer (Haken-)Kreuz zeigte, sorgte an diesem Tag in den Online-News für viel Wirbel.
 



Die Schweizer Karte visualisiert die kantonalen Unterschiede in der Intensität der Print-/Onlineberichterstattung. Die unterschiedliche Farbgebung zeigt pro Kanton auf, wie intensiv (sehr geringe bis hohe Intensität) der potenzielle Kontakt eines regelmässigen Mediennutzers mit Inhalten zur Initiative war. Es ist auffallend, dass die Westschweiz sowie das Tessin durchwegs eine sehr geringe Intensität aufwiesen. Im Mittelland sowie im Thurgau lag die Intensität der Berichterstattung im mittleren bis hohen; im östlichen Teil des Landes im geringen Bereich. Insgesamt sind 4'938 Beiträge zum Thema erschienen. 
 



Auch auf Twitter wurde – bis auf einige wenige Ausnahmen – in der Westschweiz, im Tessin sowie der Ostschweiz weniger intensiv über die Durchsetzungsinitiative gezwitschert. Im Mittelland sowie der Nordschweiz war hingegen eine mittlere bis hohe Intensität zu verzeichnen. Insgesamt wurden 23'667 Tweets zum Thema abgesetzt.

 



Welche Politiker den grössten Einfluss auf die Debatte nahmen, ist der linken Grafik zu entnehmen. Unter den 10 stärksten Influencern entfielen 18.8% der Reichweite auf Philipp Müller, Mitglied des Ständerats und Parteipräsident der FDP. Mit seinem Parteikollegen Christian Wasserfallen waren damit zwei Politiker der Freisinnigen unter den stärksten Influencern. Das restliche Feld wurde von Vertretern der SVP (Toni Brunner, Adrian Amstutz, Hans-Ueli Vogt, Gregor Rutz) sowie von SP-Politikern (Simonetta Sommaruga, Daniel Jositsch, Cédric Wermuth) dominiert. Eine Ausnahme stellte der BDP-Mann Martin Landolt dar.

Welche Personen und/oder Medien die Debatten um die Durchsetzungsinitiative auf Twitter am stärksten beeinflussten, ist in der rechten Spalte ersichtlich. Auffällig ist, dass sich im Ranking mehrheitlich Tagesmedien der Schweiz (NZZ, Tages-Anzeiger, Blick, SRF, Blick am Abend sowie 20 Minuten) befanden. Von den Top 10 Influencern entfielen 26.1% der Reichweite auf die Tweets der NZZ. @hansjaaggi, @Ugugu, @Truth_Wins und @bglaettli waren die einflussreichsten Accounts von Privatpersonen, die es auf Twitter unter die Top 10 schafften.

 

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